Der Wanderer(The Wanderer), 2019


Installation in the Nikolai church in Eisenach, Germany
4 wood podium, 4 glass containers,
Water, Plants, Roots
Each one of the structures: 2 meter x 60cm x 30cm


Photo: © Katharina Gahlert



(German)
...Die Künstlerin Michal Fuchs versinnbildlicht dieses Unbehagen in ihrer Installation. Sie stellt die Wurzeln der Mexikanischen Dreimasterblume mit dem englischen und hebräischen Namen „Der Wandernde Jude“ in den Räumlichkeiten der evangelischen Kirche aus. Die Installation besteht aus weißen Stelen, die auf Augenhöhe einen Ausschnitt freigeben, in den ein Glasbecken eingebaut ist. Entgegen der Konvention liegt das Augenmerk nicht auf dem grünen Gewächs, sondern auf den Wurzeln, die nicht sicher in der Erde eingepflanzt sind, sondern lose im Wasser hängen. Der sonst aus dem Boden wachsende Teil der Pflanze bleibt hinter der oberen Verschalung der Korpusse verborgen. Die Frage, ob die Pflanzen diesen Zustand überleben, stellt sich sofort. Gleich danach kommt die Verwunderung über den für dieses sich schnell verbreitende Unkraut etwas unpassend und sogar antisemitisch anmutend gewählten Namen. Unter Umständen folgt darauf Empörung darüber, dass die evangelische Kirche eine solche Assoziation von Unkraut mit Juden in ihren Räumlichkeiten erlaubt..." (Dr. Shelley Harten, Jüdisches Museum Berlin. Quote from: "Die Präsenz
des Unbequemen", 2019)


Photo: © Katharina Gahlert

(german)
"...Die mit Natur gefüllten Kunstwesen fallen als temporäre Fremdkörper in den Räumlichkeiten der evangelischen Gemeinde auf und bieten Anlass zum Gespräch. Die dominante Präsentation der Wurzeln wirft durch ihre Sichtbarmachung und Hervorhebung Fragen von Ent- und Verwurzelung auf. Das Zentrum der Arbeit ist mit der Geschichte der antisemitischen christlichen Volkslegende des „Ewigen Juden“ eng verwoben. Fuchs befasst sich als Israelin in Deutschland mit Vorstellungen von 13 Zugehörigkeit, die von den Stelen auf ganz praktische Art gestellt werden: Kann ein Lebewesen Entwurzelung überleben? Wie lange kann es ohne Erde unbeschadet existieren? Wie entwickelt sich das Lebewesen in der Schwebe, ohne Boden? Dies übertragend könnte man weiterfragen, ob das Sinnbild von Entwurzelung auf die Erfahrung von Menschen angewandt werden kann? Trägt die Künstlerin ihre israelischen Wurzeln mit sich oder setzt sie neue Wurzeln in Deutschland an? Hat sie jüdische Wurzeln und gibt es so etwas überhaupt? Ist die Frage nach Wurzeln noch zeitgemäß in einer Welt, die vorgibt, global, international und kosmopolitisch zu sein? Ist die Allegorie der Verwurzelung und der damit konnotierten Blut-und-Boden-Mentalität nicht ebenso gefährlich und rückständig wie die Sage des „Ewigen Juden“? Und ist die Darstellung eines Fremden, der seine Entwurzelung mit sich trägt, eine Veranschaulichung eben dieser antisemitischen Fiktion eines „wurzellosen Parasiten“? Es wird noch heikler: Wieviel künstlerischer Spielraum bleibt einer in Deutschland lebenden jüdischen Israeli, die sich dem Thema der Legende des „Wandernden Juden“ innerhalb der protestantischen Kirche nähert?..."
(Dr. Shelley Harten, Jüdisches Museum Berlin. Quote from: "Die Präsenz des Unbequemen", 2019)


Photo: © Katharina Gahlert
Photo: © Katharina Gahlert Photo: © Katharina Gahlert
Photo: © Katharina Gahlert